Ein Paket mit Herz und ein Slogan als Leitfaden

Fucked, Kathmandu Valley, Panauti

11224788_10206942180097724_3436400696199873919_n

Über Post freuen sich die wenigsten. Meistens lästige Werbung, ungeliebte Rechnungen. Ja, Briefe schreibt keiner mehr. Eher E-Mails. Schneller SMS. Pakete bekommen wir nur, wenn wir was bestellen. Manche seltener, andere zwanghaft jeden Monat, jede Woche, einmal oder sogar öfter. In Nepal gibt es ein Postsystem eigentlich nicht. Keine Deutsche Post, kein Hermes oder wie sie auch alle heißen. Briefe werden zwar an Sammelstellen gesammelt, Verteilung ist aber Glückssache. Adressen beschränken sich auf Orte oder Regionen. Hausnummern gibt es nicht. Es erwartet niemand Post. Umso schöner ist es, wenn doch welche kommt. Nicht nur für einen, sondern ganz Roshi konnte sich freuen über die vielen Pakete mit einem rosa Herzaufkleber.

11039046_10206942182417782_4526681221814268191_n

Hoffnungserfüllte Augen nahmen die aus Bochum gesandten Päckchen entgegen, die die Firma Jan Kath schickte und über Suman direkt in die Hände geben lassen hat, die es besonders brauchen.
Beim Öffnen freuten sich Erwachsene wie Kinder, Kinder fühlten sich wie erwachsen als sie die Schokolade entdeckten. Alle freuten sich mit den Schlafsäcken endlich wieder eine warme Nacht verbringen zu können, alle waren optimistisch mit den Planen dem Monsun zu trotzen und alle waren gespannt, wozu das mitgesendete Plastikrohr sein solle.
Trotz englischsprachiger Beschreibung waren Kinder in ihrem experimentellen Eifer schneller als die Erwachsenen: Ein Trinkhalm. Ein Filternder um genauer zu sein. Einer, der erlaubte jegliches Wasser einfach trinken zu können. Einer, der Bakterien und Schmutz isoliert und ausscheidet.

11037558_10206942155977121_751297898824194021_n

Ein Paket mit vielen nützlichen Dingen, den Menschen in Nepal und in dem kleinen Dorf Roshi den Alltag in dieser schweren Zeit nach dem Erdbeben ein bisschen einfacher und angenehmer zu machen. Doch das Wichtigste für die Menschen war nicht etwas, das in dem Paket war, sondern jenes was drauf war: Ein kleiner Sticker. Kurzer Slogan, der zeigte, dass sie nicht alleine sind, dass Fremde und Freunde helfen.

11011572_10206942178457683_8577057701145471782_n

„Handle with LOVE“ und Danke!

Advertisements

Mit einem Mal zurück auf LOS

Kathmandu Valley

10930880_10206873080130268_8701309202538046766_n

Monopoly kennt jeder. Da hat man so viel gewürfelt, ist kurz vor der Königsallee, die noch zu kaufen ist, und man zieht bei dem Ereignisfeld: „Ziehe direkt auf Los und nimm keine 4000 Mark ein.“ Jeder ärgert sich, doch wirklich schlimm ist es nicht. Schließlich handelt es sich nur um ein Spiel.
Anders gerade in Nepal. Die Leute waren annähernd auf dem Weg, wieder ein halbwegs normales Leben zwischen den Trümmern des jetzt zwei Wochen zurückliegenden Erdbebens zu führen. Über zwanzig Wellblechhütten wurden gebaut. Trümmer wurden weggeräumt. Jeder packte mit an. Das Gefühl von Normalität wurde immer größer. Das Ende der Beben schien nah.
Doch dieser Traum geriet gestern ins Wanken und stürzte in sich zusammen wie weitere 40 Häuser in Roshi. Ein Beben der Stärke 7.3 ganz in der Nähe von Roshi. Heute morgen wieder eins. Verletzt wurde niemand. Doch die Panik war wieder da. Genauso groß wie vor zwei Wochen, wenn nicht noch größer.

11054824_10206873111211045_3125588237257297221_o

11040578_10206873101130793_2208168546606269096_o

10006242_10206873100930788_6916129037247789986_n

11225459_10206873102010815_7848427292481824772_n

Nun geht es von vorne los, wie bei Monopoly. Auf in eine neue Runde. Entmutigen lassen sich Suman und alle anderen nicht, im Gegenteil. Die neugebauten Wellblechhütten halten Stand. Die Handgriffe sitzen mit jedem Tag und jeder neu errichteten Hütte besser. All das spendet Kraft für weitere Hilfe und Hoffnung, alles bald ausgestanden zu haben. Und das merkt man an dem unermüdlichem Lachen in den Gesichtern…

10410187_10206894861274783_3852424752665679305_n

Größer. Schneller. Weiter.

Kathmandu

DSC_0050

Das sind Attribute, die man aus der westlichen Welt kennt, vor allem aus der der Technik. Alles wird weiter entwickelt. Autos. Elektro-Geräte. Waffen. Die Australier haben das sogar im Sport. Australian Football. Zwei Mannschaften, ein Feld so groß wie etwa vier Fußballfelder. Spielzeit: 120 Minuten, aufgeteilt in vier Viertel. Grand Final hieß es heute, in einem Sport, von dem nicht viele gehört haben. Ich nur während meines Studiums. Gesehen habe ich es noch nie. Heute hieß es Grand Final. Ich war dabei. Musste ich, schließlich teilte ich mir mit einem Australier das Zimmer. Also ging es in einen Pub in Kathmandu. Gefühlt hat man sich wie in Sydney. Nur Aussies. Es wurde geschrien, gejubelt wurde kaum. Schließlich fertigte der Underdog den amtierenden Champion regelrecht ab. Fast doppelt so viele Punkte. Neuer Rekord. Ich war dabei. Ein ungewöhnlicher Tag in Nepal, aber eine Erfahrung wert.